{"id":21945,"date":"2026-01-25T00:32:44","date_gmt":"2026-01-25T00:32:44","guid":{"rendered":"https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/?p=21945"},"modified":"2026-01-25T00:32:52","modified_gmt":"2026-01-25T00:32:52","slug":"beitrag-von-tante-berta-suckau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/ru\/lebenszeugnisse\/beitrag-von-tante-berta-suckau\/","title":{"rendered":"Beitrag von Tante Berta Suckau"},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<div id=\"attachment_21946\" style=\"width: 464px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-21946\" class=\"lazyload wp-image-21946 size-medium\" src=\"http:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-454x600.jpg\" data-orig-src=\"http:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-454x600.jpg\" alt=\"\" width=\"454\" height=\"600\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27454%27%20height%3D%27600%27%20viewBox%3D%270%200%20454%20600%27%3E%3Crect%20width%3D%27454%27%20height%3D%27600%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-9x12.jpg 9w, https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-200x264.jpg 200w, https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-400x528.jpg 400w, https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-454x600.jpg 454w, https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-500x661.jpg 500w, https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-600x793.jpg 600w, https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau-700x925.jpg 700w, https:\/\/baptist-church-rot-front.org\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Berta-Suckau.jpg 757w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><p id=\"caption-attachment-21946\" class=\"wp-caption-text\">Berta Suckau geb. am 16. November 1911. gest. am 2. Februar 1995. Sie hat sich in Bergtal viele Jahre mit der Jugend besch\u00e4ftigt.<\/p><\/div>\n<p><em>(erz\u00e4hlt: Kassette 1990)<\/em><\/p>\n<p>\u201eAls wir am 1. Dezember 1942 in die Trudarmee zum \u201eBTschK\u201c mobilisiert wurden, hie\u00df es f\u00fcr 6 Monate. Man hat tausende Menschen aus ganz Kirgisien, meistens Deutsche, zusammengetrieben, um diesen gro\u00dfen Kanal mit Brechstange, Picke, Schaufel \u201eNosilka\u201c (Tragbahre) und Spaten zu graben. Tag und Nacht in zwei Schichten, trotz Schnee oder Regen wurde gearbeitet. Jede Schicht dauerte 12 Stunden.<\/p>\n<p>In den Baracken, in denen je 70-100 Arbeiter untergebracht waren, gab es keine Beheizung, die D\u00e4cher undicht und bei Regenwetter waren oft Kleider und Betten nass \u2013 so gingen wir auch schlafen. In dieser Behausung war nur ein kleiner Herd aufgebaut, doch wenn jemand von uns etwas zu kochen hatte, kamen wir nicht dran. So bald es m\u00f6glich war, bauten wir uns drau\u00dfen von Steinen einen \u201eHerd\u201c und kochten dort.<\/p>\n<p>Wir wurden in Gruppen aufgeteilt, f\u00fcr die je ein(e) Vorarbeiter(in) verantwortlich war. Unserer Gruppe stand Margarete Janzen (sp\u00e4ter heiratete sie Gerhard Reimer) vor, die sehr um uns besorgt war. Sie sorgte daf\u00fcr, dass wir unsere Portion Brot behielten, denn wenn die Gruppe nicht die Norm leistete, wurde die Portion Brot gemindert. Margarete hatte sich heimlich rote und blaue Kreide beschafft, mit der die Befehlshaber im Steinbruch Zeichen machten, wieweit wir zu graben hatten. Diese Zeichen hat Margarete dann zu unseren Gunsten mit ihrer Kreide gef\u00e4lscht. Es war einfach unm\u00f6glich, in diesem hart gefrorenen Grund oder Gestein die vorgeschriebene Norm zu leisten.<\/p>\n<p>Nach 6 Monaten machten wir uns, mehrere Frauen aus Bergtal und Gr\u00fcnfeld, auf die Flucht nach Hause. Zu Hause angekommen, packten wir unsere Habseligkeiten auf eine junge Kuh und begaben uns in die Berge, ins kirgisische Dorf \u201eArpotek\u201c. Wir suchten dort Arbeit, um etwas zu verdienen. Aber wir wurden aufgesp\u00fcrt und verhaftet. F\u00fcnf Monate lang verbrachten wir ohne Gericht, in Frunse in einem Gef\u00e4ngnis mit Betonfu\u00dfb\u00f6den. Die glaslosen Fenster waren fast bis oben zugemauert, auch fehlte jegliche Beheizung. Zum Essen bekamen wir nur gekochten Weizen, ohne ein Schluck hei\u00dfes Wasser zu trinken. Nach f\u00fcnf Monaten hat man uns gerichtet. Ich wurde zu acht Jahren, die anderen zu f\u00fcnf bis sechs Jahren Haft verurteilt. Bevor wir nach der Verurteilung in Moldowanowka (8 km von Frunse) ins neue Gef\u00e4ngnis kamen, mussten wir uns in einem Zimmer ausziehen und ganz nackt in einen anderen Raum gehen, &#8211; die Kleider wurden, nachdem sie durchsucht waren, uns zur\u00fcckgebracht. Ich hatte mir eine N\u00e4hnadel in die dicke Haut der Ferse geschoben und so die Nadel gerettet.<\/p>\n<p>Auf dem Betonboden schliffen wir den L\u00f6ffelstiel zu einem Messer. Wir sahen schrecklich aus; elend, mager, lumpig und dreckig! Ich hatte auf dem Ges\u00e4\u00df H\u00fchneraugen bekommen und konnte kaum sitzen, trotz allem musste ich arbeiten. Eines Tages konnte ich nicht mehr weiter, &#8211; da hatte mich meine Schwester Ella getragen.<\/p>\n<p>Einmal wurden gro\u00dfe abgekochte Rindsknochen zum Verbrennen in unsere N\u00e4he gebracht. Ich nahm einen und habe die ganze Nacht daran geknabbert und bis zum Morgen hatte ich ihn auf. Zu Weihnachten bekam ich einmal von meiner Schwester Ella eine K\u00fcrbisscheibe geschenkt, &#8211; oh, wie die schmeckte!<\/p>\n<p>Wegen meiner Unterern\u00e4hrung bekam ich pl\u00f6tzlich an beiden F\u00fcssen Blasen und kam ins Krankenhaus. Hier musste ich mit einer Frau zusammen auf einem schmalen Bett liegen, deren Haare dick voller L\u00e4use waren \u2013 das Weitere kann man sich denken. Die Betten waren dicht aneinander geschoben und meine kranke Nachbarin an der anderen Seite war auf einmal ganz still geworden. Als nachgeschaut wurde, war sie tot. Ich bat, dass man sie wegtragen sollte, worauf man jedoch nicht reagierte. So musste ich die ganze Nacht neben der Toten liegen.<\/p>\n<p>Am 9. Mai 1945 wurde uns gemeldet: \u201eDer Krieg ist zu Ende!\u201c \u2013 Ach, wie haben sich die Leute umarmt und vor Freuden geweint! Am 1. August wurde ich frei gelassen und durfte nach Hause, nach Bergtal.<\/p>\n<p>Fast die gleiche Geschichte hat Justina Suckau, geb. Peters (Helmuts Mutter) in ihrem Tagebuch niedergeschrieben, sie war ja auch mit Berta zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Quelle: aus dem Buch \u201eUnsere Heimat war Bergtal im Tschu-Tal\u201c von Werner Suckau<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(erz\u00e4hlt: Kassette 1990) \u201eAls wir am 1. 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