Das Buch „Unsere Heimat war Bergtal“

Das Buch „Unsere Heimat war Bergtal“ von Werner Suckau dokumentiert die Geschichte der mennonitischen Siedlung Bergtal (heute Rot-Front) im kirgisischen Tschu-Tal von den Anfängen bis ins Jahr 2002. Die Geschichte der Siedlung ist auch eng mit der Geschichte der Gemeinde Bergtal verbunden.
Hier ist eine Kurzfassung der wichtigsten Inhalte:
Die Wurzeln der Bergtaler Bewohner liegen in der mennonitischen Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts, die unter Menno Simons in den Niederlanden und Norddeutschland entstand. Aufgrund ihrer Ablehnung des Militärdienstes und religiöser Verfolgung flohen sie zunächst nach Westpreußen (Danzig). Als dort der Druck zur Militärdienstleistung zunahm, folgten sie Ende des 18. Jahrhunderts dem Manifest der Zarin Katharina II. und siedelten nach Südrussland (Ukraine) aus.
Nach den Wirren der Russischen Revolution und dem Terror durch Räuberbanden in der Ukraine suchten viele Mennoniten nach neuen Siedlungsgebieten.
Erste Siedler: Die Familien von Hermann Janzen und Dietrich Hamm gründeten Bergtal im November 1927 im kirgisischen Tschu-Tal.
Harte Anfänge: Die ersten Häuser hatten Erdfußböden und so feuchte Wände, dass daraus Gras spross. Im ersten Winter mussten die Siedler unter extremen Bedingungen (Schneestürme, Mangel an medizinischer Versorgung) überleben; so kam das erste im Dorf erwartete Baby bereits auf dem Weg zum Arzt im Schlitten tot zur Welt.
Wachstum: Ab 1928 folgten weitere Siedler, die teils in Erdhütten oder gemieteten kirgisischen Jurten lebten, bis ihre Häuser fertiggestellt waren
Das Leben im Dorf war geprägt von harter landwirtschaftlicher Arbeit und dem engen Zusammenhalt der Gemeinschaft.
Arbeitswelt: Vor der Mechanisierung wurde Getreide mühsam mit Sensen gemäht und mit Dreschsteinen gedroschen. Später kamen Traktoren wie der „Fordson“ zum Einsatz, deren Wartung die Bauern selbst übernehmen mussten.
Zusammenleben: Es gab einen regen Austausch mit den kirgisischen Nachbarn. Während des Zweiten Weltkriegs wurden zudem Karatshaien aus dem Kaukasus nach Bergtal deportiert, mit denen die Deutschen im Allgemeinen gut auskamen, bis diese 1958 wieder in ihre Heimat zurückkehrten.
Schulwesen: Trotz schwieriger Bedingungen wurde großer Wert auf Bildung gelegt. Anfangs fand der Unterricht sogar in Privathäusern statt.
Die Zeit unter dem stalinistischen Regime brachte schweres Leid über das Dorf.
Säuberungen 1937–1938: Viele Männer wurden verhaftet und verschleppt; oft erfuhren die Familien erst Jahrzehnte später von deren Schicksal oder entdeckten Massengräber.
Zwangsarbeit: Während des Zweiten Weltkriegs wurden sowohl Männer als auch Mütter von ihren Kindern weggerissen und in die „Trudarmee“ (Arbeitsarmee) nach Sibirien oder in den Ural verschleppt. Die Zurückgebliebenen – oft nur Kinder und Alte – mussten die schwere Feldarbeit allein bewältigen.
Der Glaube blieb trotz staatlicher Repression das zentrale Bindeglied der Dorfgemeinschaft.
Heimliche Anfänge: Da der Bau der Bethäuser verboten war, fanden Gottesdienste zunächst in Ställen oder Privathäusern statt.
Offizielle Registrierung: In der Nachkriegszeit schlossen sich die Mennoniten der Baptistengemeinde an, da dies die einzige Möglichkeit war, legal Gottesdienste abzuhalten.
Blütezeit: 1967 erhielt die Gemeinde die Erlaubnis für ein offizielles Bethaus. Die Gemeinde wuchs stark an und erreichte 1986 mit 671 Mitgliedern ihren Höchststand. Musik (Chöre, Orchester) und Tauffeste waren Höhepunkte des Dorflebens.
Ab den 1980er Jahren führte die politische Öffnung dazu, dass fast die gesamte deutsche Bevölkerung Bergtal verließ, um nach Deutschland auszuwandern.
Abschied: Der Autor Werner Suckau verließ das Dorf 1988.
Heutiger Zustand: Die Gemeinde besteht heute fort, wird jedoch überwiegend in russischer Sprache geführt, da nur noch wenige Deutsche vor Ort geblieben sind.
Das Werk dient als historisches Zeugnis, um die Erlebnisse der Vorfahren und das Schicksal der deutschen Minderheit in Kirgisistan vor dem Vergessen zu bewahren.
Das Buch ist urheberrechtlich geschützt und kann hier online gelesen werden.

